Tierheim Emden zu Gast bei Weidefelder Papageien

Tierpflegerin Kim füttert eine unserer Blaustirnenamazonen

Papageien üben auf viele Menschen eine große Faszination aus. Die Gründe sind zahlreich: Sie haben ein farbenprächtiges Federkleid, ein umfassendes Geräusche-Repertoire und sind mitunter so intelligent wie ein fünfjähriges Kleinkind. Doch aufgrund ihrer speziellen Ansprüche können sie kaum artgerecht gehalten werden in Privathand und sind deswegen als Haustiere völlig ungeeignet. Trotzdem finden sich immer mehr der Vögel in Haushalten, in denen die Besitzer*innen dann häufig mit der Haltung der anspruchsvollen Tiere überfordert sind. Meist landen diese Papageien dann im Tierheim. Auch unserem Partner-Tierheim Emden in Ostfriesland erging es so. Hier wurden kürzlich erst zwei Graupapageien aufgenommen. Weibchen "Rosalie" litt an einem seit Monaten unbehandelten, schmerzhaften Kloakenvorfall und wurde beschlagnahmt. Männchen "George" war ein Fundtier.

Da das Tierheim selbst bisher keine Erfahrungen mit den exotischen Vögeln gemacht hatte, schickten sie ihre Tierpflegerin Kim zur Hospitanz nach Weidefeld. Wir freuen uns immer, wenn wir mit Kolleg*innen unsere Erfahrungen mit exotischen Tieren teilen können. In Weidefeld begleitete Kim eine Woche lang unsere erfahrenen Papageienpflegerinnen. Bei uns konnte sie sehen, wie aufwendig eine artgerechte Papageienhaltung tatsächlich ist und welche Ansprüche die fedrigen Schützlinge nicht nur hinsichtlich ihrer Ernährung, sondern auch in Punkto Bewegung und geistiger Auslastung haben. Unter den wachsamen Augen der Tierpflegerinnen übte Kim das Handling der wehrhaften Papageien, durfte selber Medikamente an die kranken Patienten vergeben und spritze der derzeit angeschlagenen Amazone Joe ein Aufbaupräparat. Mit all diesen Erfahrungen geht es für Kim nach fünf Tagen Hospitanz nun zurück zu ihren neuen Papagei-Schützlingen. Wie es mit ihnen weitergeht, ist noch unklar.

Derzeit wird diskutiert, wie man den beiden Graupapageien im Tierheim Emden eine geeignete Unterbringung bauen kann, um ihnen eine möglichst artgemäße Behausung zu schaffen. Denn die Vermittlungschancen der Vögel stehen nicht besonders gut. Vogeldame Rosalie ist durch ihre Behinderung dauerhaft eingeschränkt. Und auch wenn Männchen George gesundheitlich fit ist, ist es schwieriger Männchen als Weibchen zu vermitteln, da interessierte Adoptanten meistens nach einer Partnerin für ein schon vorhandenes Männchen suchen. Aber selbst, wenn sich doch ein geeignetes Zuhause für die beiden Papageien findet – es wird sicherlich nicht der letzte Papagei in der Region sein, der von überforderten Haltern abgegeben oder von Behörden beschlagnahmt wird.

Papageien sind keine geeigneten Haustiere

Kaum ein Haustier wird so grundlegend falsch gehalten wie Papageien. Als Bewohner von vorzugsweise tropischen und subtropischen Regionen sind die meisten auf eine Luftfeuchte von ca. 80 % angewiesen. Zu trockene Luft kann bei Papageien zu schweren Atemwegserkrankungen führen. Auch Einsamkeit und Langeweile quält viele privat gehaltene Vögel. Denn obwohl nahezu alle Papageien soziale Schwarmtiere sind, fehlt ihnen häufig Gesellschaft und Platz zum Fliegen.
So erging es auch unserem Roten Ara Scotty.  Er musste die ersten Jahre seines Lebens ohne andere Aras in einem winzigen Drahtkäfig leben und bekam keinerlei Freiflug. Dies führte dazu, dass Scotty nie gelernt hat zu fliegen. Im Tierschutzzentrum Weidefeld kann er nun trotz seiner Vergangenheit zusammen mit seiner neuen Partnerin ein selbstbestimmtes Leben führen.

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